Wiederherstellung unserer Zukunft!

Eine Delegierte der 19. Weltfestspiele

Im Oktober finden im russischen Sotschi die 19. Weltfestpiele der Jugend statt. Dazu hat die »Position«, das Magazin der SDAJ, ein Interview Mikhail und Jule geführt. Mikhail Belyaev (29) lebt in Kaliningrad und ist erster Sekretär des ZK des russischen kommunistischen Jugendverbandes RKSMb. Jule (30) leitet die Internat-AG im Bundesvorstand der SDAJ und gehört für diese dem Generalrat, dem höchsten beschlussfassenden Gremium des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) an. Der WBDJ verbindet über 30 Millionen Jugendliche im Kampf gegen Rassismus, Faschismus und Militarismus, für Frieden und internationale Solidarität und richtet seit 70 Jahren die Weltfestspiele aus.

POSITION: Nach 20 Jahren werden die Weltfestspiele der Jugend und Studierenden (WFS) wieder in Europa abgehalten werden. Noch dazu in Sotschi, während die NATO immer aggressiver gegenüber Russland auftritt.

Mikhail (RKSMb): Die Gründung der NATO wurde damit legitimiert, dass die Welt vor der Sowjetunion geschützt werden müsse. In Wirklichkeit galt dieser Schutz jedoch den Interessen des Großkapitals und der Imperialisten. Heute, lange nachdem die Sowjetunion aufgehört hat, zu existieren, nutzen die imperialistischen Mächte den Nordatlantikpakt, um gegen andere imperialistische Kräfte zu kämpfen. Die Russische Föderation ist eine imperialistische Macht mit steigendem Verlangen. Ihre Interessen stehen in unvermeidlichem Konflikt mit anderen Imperialisten, inklusive der USA und der EU. Es besteht kein Zweifel daran: Deswegen versucht die russische Regierung, die Weltfestspiele unter ihre Parolen zu stellen und nicht unter das Motto der progressiven Jugend, welche gegen den Imperialismus kämpft. Die Aufgabe von KommunistInnen und der ganzen progressiven Jugend weltweit ist es, jeden Imperialismus daran zu hindern, die Weltfestspiele für seinen politischen Kampf oder zur Rechtfertigung seiner Gräuel zu nutzen.

Jule (SDAJ): Wir fahren aus Deutschland nach Sotschi – aus einem Land, dessen Imperialismus bei der Einkreisung Russlands und beim Kriegstrommeln mit dabei ist. Die Herrschenden in Deutschland diskutieren seit langem, wie sie ihre Vormachtstellung gegenüber Russland ausbauen können, ohne den Handel zu gefährden. Aber wir fahren auch in ein Land, dessen Regierung sich als gute Alternative zum westlichen Imperialismus verkaufen will und dafür auch in die Planungen unserer Weltfestspiele eingreift.

Außerdem jährt sich der 100. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Welche Bedeutung hat diese für die Weltfestspiel-Bewegung und konkret für diese Spiele?

Mikhail (RKSMb): Die sozialistische Revolution in Russland ist ein historisches Ereignis, welches der Menschheit einen bis dahin nicht dagewesenen Weg des Fortschritts eröffnet hat. Die Jugend erhielt freie, sich ständig weiterentwickelnde Bildung und es wurde aktiv gegen den Analphabetismus gekämpft. Arbeitende Menschen erhielten soziale Garantien, deren Qualität weiter ausgebaut wurde. Die Sowjetmacht wurde aus den arbeitenden Menschen heraus gewählt, Frauen erhielten das gleiche Recht, zu wählen und gewählt zu werden wie Männer. Es war auch wichtig, dass die Sowjetunion sich gegen den Imperialismus und den Faschismus stellte, da sie das direkte Gegenteil davon war. All diese Errungenschaften der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution haben eine besondere Bedeutung für die Jugend der ganzen Welt. Die Revolution selbst ist ein Symbol und die Methode des Kampfes um diese Errungenschaften. Die russische Jugend heute lebt zwar auf demselben Territorium, jedoch unter komplett anderen Bedingungen. Es ist sehr wichtig, ihnen das Wesen der Errungenschaften zu vermitteln, welche die Oktoberrevolution vor einhundert Jahren erkämpft hat. Neben vielen anderen Dingen, macht unsere Organisation genau das. Die Feierlichkeiten rund um den hundertsten Jahrestag und die kommenden Weltfestspiele können dabei helfen.

Wie steht es heute um die Rechte der Jugend in Russland?

Mikhail (RKSMb): Nach der Zerstörung der Sowjetunion hat der konterrevolutionäre Prozess in Russland natürlich auch die Rechte und Interessen der Jugendlichen beschränkt. Die Bildung im Land wird immer schwerer zugänglich und verliert zeitgleich massiv an Qualität. Die Anzahl an frei zugänglichen Studienplätzen ist rückläufig. Antikommunistische Propaganda hat Einzug in Schulen und Universitäten gefunden. Jugendliche werden mit Lügen über die Geschichte der UdSSR verwirrt. Politische Werbung in Bildungseinrichtungen ist vor allem ein Privileg von reaktionären politischen Organisationen. Bibliotheken und Kulturzentren für Jugendliche schließen überall im Land. Stattdessen werden den Jugendlichen patriarchale Werte und damit die Religion auferlegt.

Jugendliche aus allen Bildungsschichten haben Probleme, einen Job zu finden. Und selbst wenn sie eine Arbeit bekommen, entsprechen die Arbeitsbedingungen oft nicht einmal den bürgerlichen Arbeitsgesetzen. Oftmals läuft die Beschäftigung unter der Hand und kann vom Kapitalisten also jederzeit einseitig gekündigt werden. Auch die Zugangsmöglichkeiten zum Gesundheitssystem und seine Qualität sind gering. Jugendliche bezahlen also mit den sozialen Rechten, die ihnen genommen werden, die Restauration des Kapitalismus. Währenddessen werden die reichsten Kapitalisten noch reicher.

Wir, die Revolutionäre Kommunistische Jugendliga (RKSMb), haben uns zum Ziel gesetzt, Jugendliche im Kampf um ihre Rechte und um die Mobilisierung der Arbeiterklasse zu entwickeln und zu organisieren. Wir versuchen, den heutigen Jugendlichen die simple Erkenntnis zu vermitteln, dass die sozialen Errungenschaften, die ihnen genommen werden, genauso wie die Perspektivängste unserer Generation, Ergebnis der Wiederherstellung des Kapitalismus sind. Wir können jedoch unsere Zukunft nur wiederherstellen, wenn wir unsere Gesellschaft wiederherrstellen: durch eine Einheitsfront der Arbeiterklasse, im Kampf für die Revolution, den Sozialismus und den Kommunismus.

Die diesjährigen Weltfestspiele stehen unter dem Motto »Für Frieden, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, wir kämpfen gegen Imperialismus – unsere Vergangenheit ehrend bauen wir die Zukunft!«. Wie spiegelt sich dieses Motto im Programm der Weltfestspiele wieder?

Jule (SDAJ): Das Programm des WBDJ wird begleitet von einem Zusatzprogramm des russischen Staates. Wir befürchten, dass sich Putin aufgrund der territorialen Größe Russlands als der national rechtmäßige Erbe der Sowjetunion präsentieren wird. Wir hingegen wollen unser Bestes geben, um stattdessen mit Blick auf den Kampf um eine sozialistische Gesellschaft Lehren aus der Oktoberrevolution zu ziehen. Doch das Regierungsprogramm ist bisher schon so groß angekündigt, dass die Gefahr besteht, dass unser eigentliches Weltfestspiel-Programm untergeht.
Dessen Planungen laufen gerade an. Es werden wohl wieder alle fünf Kontinente im Programm repräsentiert sein und verschiedene Themen beleuchtet werden. Eine besondere Rolle spielt natürlich die Oktoberrevolution. Auch kriegerische, imperialistische Aggressionen werden eine Rolle spielen und bei einem großen Tribunal sympolträchtig verurteilt werden. Daneben wollen wir auch über antikoloniale Kämpfe, das Wettrennen um Rohstoffe, die besondere Situation des afrikanischen Kontinents, aber auch über Rechtspopulismus und Grenzpolitik in Europa diskutieren.

Das Interview führte Mark, München

Übernommen von sdaj-netz.de

Fotonachweis

  • Eine Delegierte der 19. Weltfestspiele: Kirill Kukhmar/TASS