Kampf um Inhalte

Werbung für das Festival beim Eastern Economic Forum in Wladiwostok

Von Uwe Durak. Erschienen am 29. August 2017 in der Tageszeitung junge Welt

In 45 Tagen werden rund 20.000 Teilnehmer aus 150 Ländern in Russland erwartet, um an den 19. Weltfestspielen der Jugend und Studenten teilzunehmen. Ein Teil von ihnen wird am 14. Oktober an einer internationalen »Parade der Jugend und der Studierenden« auf dem Roten Platz in Moskau teilnehmen. Anschließend werden sie in die Olympiastadt Sotschi weiterreisen, wo am Vormittag des nächsten Tages das vielfältige politische, kulturelle und sportliche Veranstaltungsprogramm beginnen soll. Die offizielle Eröffnungszeremonie findet am Nachmittag in der Eishalle »Bolschoi« statt. Auftreten soll dabei die US-Popgruppe »OneRepublic«, wie die Organisatoren mitteilten. Das hätten die Nutzer des russischen »sozialen Netzwerks« VK.com in einer Onlineabstimmung entschieden, heißt es auf der Festivalhomepage ­russia2017. com.

Einige Gäste werden erst am 17. Oktober in Sotschi eintreffen, denn sie nehmen zuvor am regionalen Programm teil. Jugendgruppen aus aller Welt sollen in diesem Rahmen 15 sehr unterschiedliche Regionen Russlands besuchen, darunter Weliki Nowgorod, Wladiwostok, Nowosibirsk, Kaliningrad, St. Petersburg und Sewastopol.

Angesichts eines solchen Aufwands und auch angesichts dessen, was täglich in Sotschi passieren soll, wird klar, dass die Regierung der Russischen Föderation nicht mit »Mühen und Millionen« gespart hat. Der Vorsitzende des russischen Nationalen Vorbereitungskomitees, Grigori Petuschkow, verspricht, dass die 19. Weltfestspiele zu einem »unvergesslichen Ereignis für die Weltjugend« werden sollen. Dagegen betont Nikolas Papadimitriou, der Präsident des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WDJ), in einem Beitrag für die Monatsschrift der Schwedischen Kommunistischen Partei, Riktpunkt, dass die beste Infra­struktur und eine große Geldsumme nicht ausreichend seien, um den Weltfestspielen zum Erfolg zu verhelfen. Die Geschichte zeige, dass die Bewegung der Weltfestspiele, so wie sie historisch verwurzelt ist, nur dann eine erfolgreiche Fortsetzung finden könne, wenn sie mit den Ideen des Friedens, der Völkerfreundschaft und des antiimperialistischen Kampfes verbunden bleibt.

Papadimitrious spielt in seinem Artikel auf Auseinandersetzungen an, die es bei den internationalen Vorbereitungstreffen in Caracas, Windhoek und Colombo darum gegeben hatte, welche Themen das Programm der Konferenzen und Diskussionen in Sotschi bestimmen sollen. Der WBDJ ist traditionell die federführende Kraft bei der Durchführung der Weltfestspiele, musste sich zunächst jedoch vom russischen Vorbereitungskomitee an den Rand gedrückt fühlen. Erst vor wenigen Tagen wurden auf der offiziellen Internetseite die Themen den Vorstellungen des WBDJ angepasst. Fand man bisher auf dieser Seite vordergründig die aus UN-Zielstellungen, wie den »17 Zielen der Nachhaltigen Entwicklung«, abgeleiteten Schwerpunkte, so ordnen sich diese jetzt in einen Rahmen ein, der dem im Juni 2016 in Caracas beschlossenen offiziellen Motto »»Für Frieden, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, kämpfen wir gegen den Imperialismus – Indem wir unsere Vergangenheit ehren, bauen wir die Zukunft auf« entspricht. Auf dem Programm stehen nun unter anderem die Themen »Die Ziele und Errungenschaften der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution«, »Die Rolle der Sowjetunion im Kampf gegen Nazismus und Faschismus«, »Das Erbe Che Guevaras in der Jugendbewegung«, oder »Völkerfreundschaft und der Kampf gegen Faschismus, Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit«.

Das Wort Antiimperialismus wird von den Organisatoren jedoch nach wie vor vermieden. Man findet es erst, wenn man auf die Internetseite des Leninschen Komsomol, dem Jugendverband der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, schaut. Dort fordert der Erste Sekretär Wladimir Isakow, die Bewahrung des Charakters des Festivals als der »wichtigsten internationalen Veranstaltung der Jugend zur Verteidigung der Ideale des Friedens, der Völkerfreundschaft, der internationalen Solidarität und des kompromisslosen Kampfes gegen den Imperialismus«. Das Festival im Oktober werde zu einer »ernsten Probe« werden, ob man diese Inhalte durchsetzen könne.

Fotonachweis

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