16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden – Venezuela 2005


Weltfestspiele
17.000 DELEGIERTE, TAUSENDE FREIWILLIGE AUS 144 LÄNDERN – DANKE AN ALLE, DIE ZU DIESEM ERFOLG BEIGETRAGEN HABEN!!
Bundesweites Vorbereitungskomitee, c/o IG Metall Berlin, Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin
Bankverbindung: „Förderverein Weltfestspiele“,  Konto 728 283 6003, Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00 Home | Aktuell | Termine | Bundesweiter Aufruf | Internationaler Aufruf | Geschichte | Gästebuch | Links
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junge Welt freut sich aufs Festival
Themenseite der linken Tageszeitung zu den Weltfestspielen
Die linke Tageszeitung „junge Welt“ widmet in ihrer Freitagsausgabe eine komplette Seite den bevorstehenden Weltfestspielen. Nachstehend dokumentieren wir die Beiträge.
22.07.2005  InlandWera Richter Der Caracas-Ticker läuft In gut zwei Wochen werden die 16. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Venezuela eröffnet. Aus der BRD reisen 200 Teilnehmer zum Festival. Letzte Vorbereitungen Auf der Homepage des bundesweiten Vorbereitungskomitees für die 16. Weltfestspiele der Jugend und Studenten läuft der Ticker: Noch 16 Tage. Für die einen kann er gar nicht schnell genug laufen. Nach langem Warten und Sparen wollen sie endlich zum Festival nach Caracas, in die Hauptstadt Venezuelas. Für die anderen wird es langsam eng: Die dreisprachige Festivalzeitung muß noch layoutet und gedruckt werden, die Fluggesellschaft will mit den Preisen für das Übergepäck nicht runter, Redebeiträge müssen vorbereitet und bilaterale Gespräche verabredet werden. Die Weltfestspiele sind noch immer nicht in der Hand einer Eventagentur, sondern werden von Jugendlichen selbst organisiert.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez teilte unterdessen in seiner wöchentlichen Radio- und Fernsehsendung »Aló Presidente« mit, daß am 7. August mehr als 120000 Teilnehmer aus 133 Ländern in der Hauptstadt Caracas erwartet werden. Allein 11000 Jugendliche kommen aus Ländern Nord-, Mittel- und Südamerikas. Die größte Delegation wird mit 2000 Jugendlichen aus Kolumbien erwartet. Läßt man eine Null weg, kommt man etwa auf die Delegationsstärke der BRD.

Mit der 200köpfigen Gruppe und vor allem ihrer Zusammensetzung ist ein kleiner Durchbruch gelungen. Bei den 15. Weltfestspielen, 2001 in Algier, war es nicht mehr gelungen, Jugendliche über den Kreis der üblichen Verdächtigen hinaus zu mobilisieren, die Mitglieder von SDAJ und FDJ blieben weitgehend unter sich. Demgegenüber stand die Idee der Weltfestspiele, mit möglichst vielen Jugendlichen über weltanschauliche Grenzen hinweg in die Diskussion zu kommen und die »fortschrittliche Jugend der Welt« zusammenzuführen. Mit der Einladung Venezuelas kam neuer Schwung in die Sache. Vor allem in der Gewerkschaftsjugend stießen Austragungsort und Festival auf Interesse. Zahlreiche regionale Gliederungen von Einzelgewerkschaften beschlossen die Unterstützung der Weltfestspiele, die unter dem Motto »Für Frieden und Solidarität! Wir kämpfen gegen Imperialismus und Krieg!« stehen. Schließlich beschlossen IG-Metall- und ver.di-Jugend auch auf Bundesebene die Teilnahme. Im Ergebnis reisen neben Mitgliedern weiterer Einzelgewerkschaften 50 IG-Metall- und mehr als 20 ver.di-Jugendliche nach Caracas. Mit dabei werden auch Jusos, Falken, Naturfreunde, Mitglieder von ‘solid, der FDJ und Venezuela-Solidaritätsgruppen sein. Die SDAJ stellt mit knapp 60 Mitgliedern den größten Teil der Delegation.

Martin Donat vom Ortsjugendausschuß der IG Metall in Halle findet die Beteiligung seiner Gewerkschaftsjugend nicht überraschend: »Da wir seit 1986 internationale Solidaritätsbrigaden in Nikaragua, Kuba und Südafrika durchführen, ist es nur logisch, daß wir uns auch bei einer solchen Begegnung einbringen.« In Venezuela wollen sich die Metaller vor allem mit jungen Gewerkschaftern aus anderen Ländern treffen. »Besonders wichtig sind uns zunächst Gespräche im Europäischen Klub, da wir im kommenden Jahr eine europäische Konferenz zu Fragen der Ausbildung organisieren wollen«, so Donat gegenüber junge Welt.

Im Europäischen Klub hat sich auch die SDAJ mit ihren Partnerorganisationen verabredet. »Von den Genossen aus Portugal wollen wir vor allem mehr über ihre Erfahrungen bei der betrieblichen Interessenvertretung wissen und mit den griechischen Jugendlichen wollen wir über die Arbeit an Schulen diskutieren, wo der kommunistische Jugendverband fest verankert ist«, erzählt Björn Blach aus Berlin. Nicht nur im Europäischen Klub wird der antifaschistische Widerstand gestern und heute eine zentrale Rolle spielen. Dem 60. Jahrestag der Befreiung ist der 14. August gewidmet, mit zahlreichen Foren und Diskussionsrunden und einem großen Friedensfestival. Die deutsche Delegation hat mit dem kommunistischen Jugendverband Venezuelas verabredet, an diesem Tag gemeinsam Flugblätter vor Betrieben und Schwimmbädern – die Schulen sind wegen Ferien geschlossen – zu verteilen, um über die Zeit des Faschismus in Deutschland, den antifaschistischen Widerstand und die Lehren daraus zu informieren. Mit der Aktion sollen die Jugendlichen aus Caracas zu Diskussionen in den europäischen Klub und zu dem Konzert eingeladen werden.

Aus dem Programm

Dialektische Einheit von Spaß und Politik

* Imperialismus auf der Anklagebank

Ein Höhepunkt des Festivals wird am 13. und 14. August das Antiimperialistische Tribunal sein, bei dem »die Jugend der Welt« gegen den Imperialismus verhandeln wird. Hier fließen die Inhalte aus den über 100 Veranstaltungen der Weltfestspiele zusammen. Die Jugend wird ihre Rechte auf Frieden, Bildung, Ausbildung und Arbeit, selbstbestimmtes Leben, demokratische Mitbestimmung und eine intakte Umwelt einklagen.

* Solidarität mit Venezuela

Der Solidarität mit dem venezolanischen Volk gilt vor allem der letzte Tag des Festivals mit einer Großdemonstration und einer Abschlußkundgebung am 15. August. So wird an den 200. Jahrestag des Schwurs Simón Bolívars und den ersten Jahrestag des Sieges beim Referendum über eine vorzeitige Abwahl des Präsidenten Chávez erinnert.

* Einladung zum Tanz

Nicht zu kurz kommen wird in Caracas das Feiern. Zahlreiche Konzerte unter anderem mit der Ska-Band Banda Bassotti aus Italien und mit Manu Chao stehen auf dem Programm. Der Jugendverband ‘solid versucht den Sänger der Toten Hosen, Campino, mitzubringen. Als kultureller Höhepunkt ist für den 12. August ein Hip-Hop-Gipfel mit Workshops, Seminaren und Konzerten in den Arbeitervierteln von Caracas angekündigt.

* Auf einen Blick

Das komplette Programm und Informationen: www.weltfestspiele.de

* Spenden erwünscht

Das bundesweite Vorbereitungskomitee, c/o IG Metall Berlin, Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin, bittet um Spenden an: Förderverein Weltfestspiele, Berliner Volksbank, Konto: 7282836003, Bankleitzahl: 10090000artikel_ende

Quelle: http://www.jungewelt.de/2005/07-22/015.php


22.07.2005  InterviewInterview: Wera Richter »Über Zukunftsperspektiven diskutieren« Junge Gewerkschafter beteiligen sich an den Weltfestspielen. Sie haben Interesse an Venezuela, dem Austausch mit Kollegen aus anderen Ländern und der Diskussion um gesellschaftliche Alternativen. Ein Gespräch mit Claudia Schröppel * Claudia Schröppel ist Mitglied der ver.di-Jugend Bayern und in der Leitung der deutschen Delegation zu den 16. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Caracas

F: Sie fliegen in zwei Wochen nach Venezuela. Was erbinden Sie mit der Reise?

Ich freue mich darauf, endlich einmal selbst an den Weltfestspielen teilzunehmen, weil ich bisher nur Positives darüber gehört habe. Wenn Weltfestspielveteranen von früheren Festivals erzählen, leuchten noch immer ihre Augen, auch wenn es schon 35 Jahre und mehr her ist. Außerdem bin ich gespannt auf Venezuela. Ich schaue schon seit mehreren Jahren auf dieses Land und beobachte die sozialen Veränderungen dort.

F: Was ist das Besondere an Venezuela?

Venezuela zeigt, daß es eben doch Alternativen gibt. Der Analphabetismus wird dort beseitigt, während er in unserem reichen Land wächst. Gesundheitsversorgung und Bildung werden wieder als Grundrechte und nicht mehr als Ware angesehen und kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine neue Form der Demokratie entsteht, die sich auf die aktive Beteiligung der Bevölkerung stützt. In der BRD dürfen wir ja nicht einmal selbst über unsere oder die europäische Verfassung entscheiden.

F: Neben Ihnen fahren 20 weitere Mitglieder der ver.di-Jugend nach Venezuela. Mit welchen Erwartungen?

Es sind sogar noch ein paar mehr, und von der IG Metall und anderen Gewerkschaften kommt auch eine ganze Reihe junger Kollegen mit. Wir werden versuchen, uns mit möglichst vielen Gewerkschaftern aus Venezuela und aller Welt auszutauschen und mit jungen Arbeiterinnen und Arbeitern in Kontakt zu treten. Das neue Gesetz über die Mitverwaltung der venezolanischen Betriebe durch die Arbeiter interessiert uns zum Beispiel brennend. Mit dem Gewerkschaftsverband UNT haben wir bereits ein Treffen vereinbart.

F: Die vergangenen Festivals waren in der Zusammensetzung der deutschen Delegation eher eng gefaßt. Im Kern flogen Mitglieder von SDAJ und FDJ plus ein paar Versprengte. Wie kommt es dazu, daß diesesmal IG-Metall- und ver.di-Jugendliche so stark vertreten sind?

Das kann ich erstmal nur für mich selbst beantworten. Ich habe bisher immer angenommen, daß nicht jeder zu den Weltfestspielen fahren darf. Generell würde ich sagen, der Sozialabbau in diesem Land paßt uns nicht, und wir suchen nach Alternativen. Die IG-Metall-Jugend hat nicht umsonst den Slogan »Sozial is’ muß« geprägt. Die Weltfestspiele bieten den richtigen Raum, um über Zukunftsperspektiven zu diskutieren.

F: Heißt das, daß in der Gewerkschaftsjugend zur Zeit verstärkte Debatten über eine gesellschaftliche Alternative zum Kapitalismus geführt werden?

Das zu behaupten wäre stark übertrieben. Es gibt eine ganze Reihe von Kollegen, die in Kaffeerunden mit dem Kanzler schnell vergessen, was sie früher mal gelernt haben. Diese Kollegen haben natürlich kein Interesse daran, daß sich eine Diskussion um gesellschaftliche Alternativen entwickelt. Aber aus meiner Arbeit in der ver.di-Jugend Bayern kann ich sagen, daß wir in unserer Bildungsarbeit den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit immer deutlich machen und mit unseren Seminarteilnehmern über Alternativen zum Kapitalismus diskutieren.

F: Die ver.di-Jugend hat die Teilnahme an den Weltfestspielen sogar auf Bundesebene beschlossen. Wie war die Reaktion der »Erwachsenenabteilung«?

Keine Ahnung, ob es da jemanden gab, dem der Beschluß nicht gepaßt hat. Und wenn schon, wir machen unsere eigene Politik. Es wäre allerdings schön gewesen, wenn sich die Erwachsenen etwas interessierter gezeigt und das Konto des Fördervereins mit Spenden überflutet hätten.

F: Was wird die ver.di-Jugend in Caracas beitragen?

Wir werden berichten, welche verheerenden Auswirkungen der Kapitalismus durch Sozialabbau und Privatisierungen mit sich bringt. Das wird uns angesichts von »Hartz IV« bestimmt nicht schwerfallen. Wir werden von Jugendarbeitslosigkeit und Studiengebühren berichten und versuchen, die momentane politische Lage zu erklären. Wir müssen vielleicht auch mit ein paar Illusionen aufräumen, die es in anderen Ländern noch über Deutschland gibt.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2005/07-22/023.php

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   21.07.2005

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