Abschlusserklärung der 16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden


Vom 7. bis 15. August 2005 haben in Caracas, Bolivarianische Republik Venezuela, die 16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden erfolgreich stattgefunden, der Weltfestspielbewegung Kontinuität gegeben und sie gestärkt als die bedeutendste politische, kulturelle und antiimperialistische Veranstaltung, die von den fortschrittlichen und demokratischen Jugend- und Studierendenkräften der Welt organisiert wird.

An diesem 16. Festival nahmen mehr als 17.000 Delegierte von lokalen, nationalen, regionalen und internationalen Organisationen aus 144 Ländern teil, die Millionen von Jugendlichen und Studierenden der Welt vertraten. Eine Jugend, die sich ohne Unterschied des Alters, der Ideologien, des Geschlechts, der ethnischen und sozialen Herkunft versammelte, die an den unzähligen Veranstaltungen der 16. Weltfestspiele teilnahm und die in den vorhergehenden Monaten im Vorbereitungsprozess die Bedürfnisse der politischen Bewegung formulierte, eine große Mobilisierung und breite Debatte in Hunderten von Städten und Ländern erreichte und sich so um die Losung vereinigte, die uns nach Caracas brachte: „Für Frieden und Solidarität, wir kämpfen gegen Imperialismus und Krieg!“

Heute, vier Jahre nach den fruchtbaren 15. Weltfestspielen in Algier, befinden sich die imperialistischen Kräfte der Welt mit der Regierung der Vereinigten Staaten an der Spitze in einer aggressiven und gemeingefährlichen Offensive, die versucht, auf ihrem Weg alles zu beseitigen, was die Konsolidierung ihrer weltweiten Macht behindert. Dieses Festival wurde in einem für die Menschheit historischen Moment durchgeführt, auf einem Kontinent, der dem Imperialismus entscheidende Niederlagen zufügt, in einem Land, das einen Weg der Hoffnung aufbaut. Es steht in der Tradition der Solidarität und des Kampfes der Weltfestspielbewegung und unterstreicht seine feste Position zwischen den den beiden Tendenzen, die sich in einem unversöhnlichen Kampf gegenüberstehen. Auf der einen Seite der Imperialismus mit seiner Kriegs- und Interventionspolitik und auf der anderen die Völker, die für ihre unveräußerlichen Rechte kämpfen.

Die Ereignisse vom 11. September 2001 wurden von der Regierung der Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten als Vorwand benutzt, um ihre imperialistische Kampagne zur Erringung der Weltherrschaft zu forcieren, was sich in einem angeblichen „Krieg gegen den Terrorismus“ und einem „Kampf für die Freiheit“ gegen eingebildete „Achsen des Bösen“ ausdrückt, durch die ihre sozialen, ökonomischen, kulturellen und ideologischen Regeln durchgesetzt werden sollen. Diese Ereignisse und ihre Konsequenzen haben die Taktik des Imperialismus in den vergangenen vier Jahren bestimmt und dient dazu, ihre expansionistische Politik vertiefen zu können, in der sich die Widersprüche und Allianzen zwischen den imperialistischen Polen (Vereinigten Staaten, die Europäische Union und Japan) in ständigem Widerstreit befinden. Diese ständig wachsende imperialistische Aggressivität nutzt alle bekannten Wege, um ihre Ziele zu erreichen: Blockaden, Provokation von Konflikten, Interventionsandrohungen, militärische Intervention, Kriege und Besatzungen gegen Länder und Bewegungen und führt dadurch zu einem Anwachsen der Angriffe auf die Rechte und Freiheiten der Völker. Mit dem Ziel, all dies zu rechtfertigen, nutzt der Imperialismus die Medien, das Bildungswesen, die Kunst, die Erholung und andere Aktivitäten, um eine massenhafte ideologische Propaganda zu entfachen, die ihm die theoretische und moralische Unterstützung für all diese Maßnahmen verschaffen soll. Es alarmiert uns, dass diese Offensive auf vielfältige Weise vor allem die Jugend von der Kindheit an trifft. Der freche Versuch, Widerstand als eine Form der Gewalt und den Kampf als Terrorismus zu verstehen, ist bereits alten Datums und kann die Völker nicht verwirren, denn trotz der ständigen Verzerrung der Wirklichkeit und der übermäßigen Provokationen wachsen und verstärken sich die Widerstandsbewegungen. Diese Aggressivität ist nicht zufällig, sie ist das Ergebnis der Unfähigkeit des Imperialismus, Lösungen für die Bedürfnisse der großen Mehrheit der Bevölkerung unseres Planeten zu finden und ihre Existenz zu sichern. Seine Aggressivität entwickelt sich in verschiedener Weise. Aus ökonomischer Sicht betreibt er eine strategische Neustrukturierung (bekannt als neoliberale Politik) mit dem Ziel, die Ausbeutung und Konkurrenz zu verschärfen; auf militärischer Ebene, um die Herrschaft über die Märkte und Ressourcen zu sichern; auf politischer Ebene, um seine Herrschaft über die Völker zu garantieren; und auf ideologischer Ebene, um Angriffe auf seine Ewigkeit zu verhindern. Der Imperialismus ist nicht unbesiegbar, wie er uns weiszumachen versucht, sondern im Gegenteil, seine immer tiefere Krise ist strukturell und seine Aggressivität läßt keine andere Alternative als den vollständigen Sieg der Völker.

Trotz der ideologischen Offensive des Imperialismus werden die fortschrittlichen und friedliebenden Kräfte wieder stärker und entschlossener. Wir  bewußten Jugendlichen und Studierenden der Welt kennen die historische Rolle, die wir spielen. Deshalb nutzen wir seit 1947 die Weltfestspiele der Jugend und Studierenden, um unsere Prinzipien des Kampfes zu bestätigen, Erfahrungen auszutauschen und Grundlagen zur Entwicklung unserer regionalen und internationalen Aktionen zu legen – für die Befreiung der Menschheit von jeder Form der Unterdrückung, Diskriminierung und imperialistischen Herrschaft, für die Bewahrung der Gerechtigkeit und der Freiheit aller Völker. Die Organisierung, Bewußtwerdung und Mobilisierung der Jugend und Studierenden der Welt wächst. An jedem Ort, an dem der Imperialismus interveniert und die Freiheiten und Rechte der Völker angegriffen hat, ist er auf ernsthaften Widerstand gestoßen; während er die Unabhängigkeit, Souveränität und Selbstbestimmung verletzt, finden die Völker immer mehr Formen des Widerstandes, um ihre Interessen zu verteidigen. Deshalb war und bleibt unsere erste Verpflichtung an der Seite der Völker, mit den Jugendlichen und den Studierenden, die deren Teil sind und zu den größten Leidtragenden der Politik des Imperialismus gehören.

Der Widerstand gegen Imperialismus und Kapitalismus findet angesichts der Offensichtlichkeit, dass dieses System nicht funktioniert und unfähig ist, die Probleme, Bedürfnisse und Interessen der Jugend und der Studierenden zu lösen, jeden Tag mehr Unterstützer. Deshalb haben sind die lokalen, nationalen, regionalen und internationalen fortschrittlichen, antineoliberalen und antiimperialistischen Organisationen und die gesamten Jugend zunehmend aktiv geworden – gegen die Kriegsmaschinerien, gegen die Invasionen und Besetzungen Afghanistans und des Irak, gegen die imperialistischen Pläne zu Neuordnung der Welt und gegen die Versuche, die geopolitische Weltkarte in ihrem Interesse zu verändern, gegen die imperialistische Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Länder, gegen die entfremdende und interventionistische Politik von G8, NATO, IWF, WB, WTO, EU, Freihandelsabkommen, ALCA, gegen die Verschuldung und den Militarismus, gegen die Militärbasen und Interventionspläne wie den „Plan Colombia“ und Guantánamo, gegen die systematische Anwendung der Folter und die straflose Verletzung der Menschenrechte.

In diesem Jahr, in dem wir des 60. Jahrestages der verbrecherischen Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki gedenken, zeigt der Imperialismus weiter seine aggressive Natur. Aber uns stärkt, dass wir im Rahmen der großen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zugleich den Sieg der Völker über den Faschismus und die Gründung des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) feiern, zwei eng miteinander verbundene Ereignisse, die den unerschütterlichen Willen zum Frieden und zur Solidarität zeigen, die Millionen von Menschen ehren, die diese Prinzipien verteidigt haben und die den Beginn großer sozialer Veränderungen markieren, den Prozess der Entkolonialisierung und Veränderungen im weltweiten Kräfteverhältnis. Die Erinnerung an den ruhmreichen Sieg des Volkes von Vietnam über den Imperialismus vor drei Jahrzehnten, seine späteren wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften und unsere gesammelten Kämpfe und Erfahrungen erfüllen uns mit Hoffnung und Vertrauen, dass wir heute wie gestern alle Schwierigkeiten überwinden und die Völker den Sieg erringen können.

Überall auf der Welt kämpft die Jugend auf unterschiedliche Weise gegen Ausbeutung, gegen Blockaden, gegen Embargos, gegen Sanktionen und alle anderen Formen von Diskriminierung und Fundamentalismus. Wir fühlen uns verpflichtet und kämpfen für eine Welt des Friedens, frei von Atomwaffen, für ein anderes sozio-ökonomisches System, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und auf sozialer Gerechtigkeit, nationaler Souveränität, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Demokratie, Sicherheit, Kooperation und internationaler Solidarität basiert. Wir fordern den Respekt der Menschenrechte, der Frauenrechte, der sexuellen und reproduktiven Rechte, der nachhaltigen Entwicklung und der Umwelt und rufen zu ihrer Verteidigung auf. Wir fordern, dass alle Menschen Zugang zu einer würdigen Arbeit, zu Arbeitsrechten, zu Bildung, zu Gesundheitsversorgung, zum Sport, zur Kultur und zur Technik haben. Wir sind optimistisch, denn es gibt Gründe, es zu sein. Denn wir kämpfen für gerechte Dinge und verteidigen sie. Denn wir haben Fortschritte erreicht. Denn wir stellen uns Schwierigkeiten und überwinden sie mit der Freude und Rebellion, die die Jugend auszeichnet.

Der Imperialismus versucht, eine einseitige und seinen Interessen entsprechende Sichtweise der Menschenrechte durchzusetzen, in der die Interessen der Großunternehmer und –industriellen und des transnationalen Kapitals über die Rechte der Völker gestellt werden, in der, zum Beispiel, selbst die Bürger Nordamerikas ständiger Repression eines rassistischen, ausgrenzenden und entfremdenden Systems ausgesetzt sind, gegen das sie rebellieren. Das grundlegendste Recht der Menschheit ist das Recht auf Leben und alles, was damit zusammenhängt, besonders das Recht, souverän über die Art der Gesellschaft zu entscheiden, in der sie leben will, und ihr unveräußerliches Recht, für deren Aufbau zu kämpfen. Der Imperialismus verweigert diese Rechte auf vielfältige Weise, durch die internationalen kapitalistischen Strukturen, durch die Verzerrung der Rolle der UNO und, wenn nötig, durch Besatzungskriege, wie in Jugoslawien, Afghanistan und Irak. Der Imperialismus will eine neue totalitäre Weltordnung gegen die Jugend, die Arbeiterinnen und Arbeiter und die Völker durchsetzen.

Wir fordern die Beseitigung alle ausländischen Militärbasen, die Abschaffung aller atomaren, chemischen und biologischen Waffen, der Atomtests, die Reduzierung der wachsenden Rüstungshaushalte, besonders des Rüstungsetats der Vereinigten Staaten.

Die Kriegspolitik des Imperialismus schafft Probleme wie die Flüchtlinge, die zu Millionen ihre Heime, Heimat, Arbeit und Familien verlassen müssen. Auch die Hunger verursachende Wirtschaftspolitik verursacht Auswanderung. Die Mehrheit der Emigranten geht illegal in die Länder des entwickelten Kapitalismus und wird unter Bedingungen der Sklaverei behandelt, was eine Schande für die Menschheit darstellt.

Es ist eine dringende Aufgabe, die Volksmassen zugunsten einer wirklichen Demokratisierung der UNO zu mobilisieren und die Versuche der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu bekämpfen, die Reformen durchsetzen wollen, die diesen multilateralen Organismus als internationales Instrument zur Legitimation ihrer Intervention beibehalten sollen, während er eine Rolle des wirklichen Ausgleichs zwischen den Nationen der Welt mit gleichen Rechten und Pflichten erfüllen und der Vollversammlung wirkliche Rechte geben muß.

Der Imperialismus untergräbt auch die Bildungsmöglichkeiten der Jugend, befördert die Ausgrenzung und das Abgehen aus dem formalen Bildungssystem. 113 Millionen Jungen und Mädchen besuchen keine Schule und 130 Millionen Jugendliche sind Analphabeten. Gegen die Kommerzialisierung fordern wir den Zugang zu einer umfassenden, öffentlichen, kostenlosen und qualitativ hochwertigen Bildung.

Der wissenschaftliche und technische Fortschritt, der als Eigentum der gesamten Menschheit angesehen werden muß, wird vom Kapitalismus einbehalten und in seine Anwendung eingeschränkt. Das Internet ist für die große Mehrheit nach wie vor unerreichbar. Im südlich der Sahara gelegenen Afrika befinden sich zum Beispiel 0,1 Prozent der weltweiten Internetverbindungen, während in diese Region 10 Prozent der Weltbevölkerung leben. Wir fordern, dass der technische und wissenschaftliche Fortschritt im Dienste der Jugend und der Völker stehen müssen und nicht als eine andere Form der Profitmaximierung genutzt werden. Der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen bleibt sehr beschränkt. Zwei Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu Elektrizität.

Die Entwicklung der Massenmedien und Informationswege spiegelt sich nicht in einem Prozess der Demokratisierung des Zugangs und der Produktion der Information und der Kultur wider. Die transnationalen Konzerne konzentrieren die Mehrheit der weltweiten Informationszentren und der Inhalt dieser Information ist gegen die Interessen der Jugend und der Studierenden den Klasseninteressen der herrschenden Ideologie unterworfen. In dieser globalen Auseinandersetzung kann sich die Gegenoffensive der Völker nicht nur auf der ökonomischen Ebene vollziehen, es muß auch auf der ideologischen Ebene gekämpft werden, denn die Vorherrschaft der Konzerne dient der Entfremdung und Beherrschung besonders der Jugend durch die Schaffung falscher Bedürfnisse und einer Vertiefung des Individualismus. Deshalb muß die von uns geleistete Erziehungs- und Kulturarbeit über alle uns zur Verfügung stehenden Wege verbreitet werden. Dabei sind wir in den vergangenen Jahren deutlich vorangekommen und jeden Tag erreichen wir mehr Menschen.

In ihrer heutigen tiefen Krise beseitigen der Kapitalismus und Imperialismus die meisten Arbeiterrechte, besonders die der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen, die außerdem in größerem Ausmaße unter Erwerbslosigkeit leiden. Wir kämpfen für das Recht der Jugend auf eine sinnvolle Arbeit. Wir unterstützen den organisierten Kampf der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen zur Verteidigung der Interessen des ganzen Volkes, der die Gewerkschaftsbewegung gegen die neuen Formen der Ausbeutung und vor dem Versuch der Schaffung einer neuen, entmenschlichten Generation ohne jede Rechte stärkt.

Wir Völker haben das unveräußerliche Recht, über die Reichtümer und Ressourcen des Bodens zu verfügen, um sie auf vernünftige Weise ohne Schädigung der der Umwelt zugunsten der wichtigsten Bedürfnisse von drei Vierteln der Menschheit einzusetzen. Der Imperialismus benutzt Krieg, die Förderung innere Konflikte und den Staatsterrorismus als Mittel, um sich die Reichtümer unserer Länder anzueignen. Heute verfügen 40 Prozent der Weltbevölkerung nicht über die grundlegenden sanitären Bedingungen. Mehr als eine Milliarde Menschen hat keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser, von ihnen sterben jedes Jahr fünf Millionen, vor allem Kinder, an mit diesem Problem verbundenen Krankheiten.

Die Kluft zwischen dem reichsten und dem ärmsten Teil der Bevölkerung vergrößert sich immer weiter. Mehr als eine Milliarde Menschen in der Welt überleben mit weniger als einem Dollar am Tag. Alle dreieinhalb Sekunden stirbt ein Mensch an Hunger, die große Mehrheit von ihnen sind Kinder.

Die globale Dimension des Kapitalismus verursacht auch die ungleiche Verteilung der ökonomischen Macht in der Welt. Die 24 reichsten Länder verfügen über 85 Prozent des Weltreichtums. Die ungerechte internationale Arbeitsverteilung und die „Auslandsschulden“ machen die verschuldeten Länder von den reichen Ländern abhängig. Die Situation der sogenannten „unterentwickelten Länder“ ist das Ergebnis der Herrschaftsbeziehung, die die kapitalistischen Zentren über diese Nationen ausüben. Diese Abhängigkeit aufrecht zu erhalten ist lebenswichtig für den Kapitalismus.

Die Süd-Süd-Kooperation ist eine strategische Notwendigkeit für unsere Völker, die bereits positive Ergebnisse gegen die Monopolinteressen der Großmächte gezeigt hat. Es gilt, alle möglichen Formen des Austausches, der Kommunikation und der gemeinsamen Aktion der Jugend- und Studierendenorganisationen und der Völker zu fördern, um gemeinsam die Herausforderung anzunehmen, einen unseren Bedürfnissen und Zielen entsprechenden Entwicklungsweg zu gehen.

Zehn Millionen Jugendliche leben mit AIDS, vor allem in Afrika und Asien. Jedes Jahr sterben etwa drei Millionen Menschen an Malaria. Wir fordern den kostenlosen und umfassenden Zugang der Jugend und der Völker zur Gesundheitsversorgung als einziger Möglichkeit, das Menschenrecht auf Gesundheit zu garantieren.

Diese alarmierenden Zahlen, die im Weltjugendbericht 2005 der UNO veröffentlicht wurden, unterstreichen erneut, dass wir gegen die Ursachen dieser Übel kämpfen müssen. Indem wir die Überwindung des Imperialismus und der Ausbeutung näherbringen, retten wir Menschenleben.

Wir müssen die Beziehungen zwischen den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft stärken, besonders unter den Jugendlichen, unter denen junge Arbeiter, Frauen, Studierende, Bauern, Indígenas und Volksbewegungen ihre eigenen spezifischen Ziele in einer immer gemeinsameren Weise mit anderen Sektoren verfolgen und dabei die Überzeugung haben, dass gemeinsame Errungenschaften und Fortschritt jedem nutzen werden, denn die nationalen Errungenschaften tragen zum weltweiten Kampf gegen den Imperialismus bei. Wir müssen uns an lokalen, nationalen, regionalen und internationalen anti-neoliberalen, gegen die Globalisierung gerichteten, antikapitalistischen oder antiimperialistischen Räumen beteiligen, in denen Organisationen und die armen Massen, die direkt von der gegenwärtigen internationalen Ordnung betroffen sind und gemeinsame Ziele haben, zusammenkommen, Erfahrungen austauschen und so unseren sozialen Einfluß vergrößern.

Wir solidarisieren uns mit dem Volk und der Jugend des Irak in ihrem Kampf und Widerstand gegen die imperialistischen Besatzungskräfte. Deshalb fordern wir den sofortigen Abzug dieser Kräfte und die Bewahrung der irakischen Souveränität und Einheit. Wir klagen die Unterdrückungspolitik des Imperialismus und seiner Agenten in der Region an und fordern die Freilassung aller politischen Gefangenen. Wir weisen die imperialistischen Versuche zurück, die geopolitische Landkarte durch ein „Projekt für den Großen Mittleren Osten“ zu verändern, wozu der Imperialismus nach geheimen Kriterien Länder auswählt, die entsprechend ihrer Interessen zu Diktaturen erklärt werden, die „demokratischer“ Veränderungen brauchen. Dabei kann die Regierung der Vereinigten Staaten mit der treuen Hilfe der zionistischen Regierung Israels rechnen, die in der Region eine destabilisierende Rolle spielt und ihr Agent bei der straflosen Eliminierung der Widerstandsbewegung der Region ist. Wir solidarisieren uns mit dem Volk und der Jugend Palästinas in ihrem Kampf für das Recht auf einen unabhängigen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt, in ihrem Recht auf Widerstand gegen die Besatzung, auf Rückkehr der Flüchtlinge entsprechend der UNO-Resolutionen und rufen die internationale Gemeinschaft auf, den Kampf für eine Beseitigung der Apartheid-Mauer zu unterstützen, die Israel auf besetztem Gebiet Palästinas errichtet. Wir drücken unsere Solidarität aus mit der Jugend und dem Volk Syriens aus, mit ihrem Kampf und ihrem Recht auf Widerstand gegen die israelische Besatzung. Wir fordern den sofortigen Rückzug vom „syrischen Golan“ und weisen die exterritorialen Entscheidungen des US-Kongresses gegen Syrien zurück. Wir verurteilen die Einmischung der imperialistischen Kräfte in die inneren libanesischen Angelegenheiten, die im Land und in der Region Instabilität provoziert und unterstützen den Kampf der Jugend und des Volkes Libanons in ihrem Widerstand für die Befreiung der von Israel besetzten libanesischen Gebiete und fordern den sofortigen Rückzug. Wir erklären unsere Solidarität mit dem Volk und der Jugend von Marokko in ihrem Kampf für die Befreiung der von Spanien besetzten Ceuta und Melilla.

Die Völker und Jugend von Europa, die wie die Jugend überall auf der Welt von der wachsenden Herrschaft der Europäischen Union betroffen sind, erleiden tagtäglich den wahrhaft imperialistischen Charakter dieser Institution. Wir solidarisieren uns mit den Völkern des Balkan, die über Jahre die Folgen des Krieges und der ständigen Interventionen der NATO und der EU erlitten haben; mit dem Volk Zyperns, den griechischen und den türkischen Zyprioten, in ihrem Kampf für die Wiedervereinigung und unterstreichen die dringende Notwendigkeit einer Beendigung der türkischen Besatzung und eines friedlichen, gangbaren und effektiven, für beide Gemeinschaften akzeptablen Ausweges aus diesem Problem auf der Grundlage des internationalen Rechts und der diesbezüglichen UNO-Resolutionen; mit dem Kampf des irischen Volkes für den Abzug der britischen Truppen, für eine unabhängiges und vereinigtes Irland. Ebenso sprechen wir unsere Solidarität den Parteien, Bewegungen und Aktivisten aus, die vor allem in Osteuropa unter Verfolgung und Einschränkungen leiden; mit den Kindern, Jugendlichen und den Völkern der ehemaligen sozialistischen Länder, die in den vergangenen Jahren als Konsequenz aus der Rückkehr zum Kapitalismus einer dramatischen Situation des Hungers, Elend, Arbeitslosigkeit, Analphabetismus, des wachsenden Konsums von Betäubungsmitteln, des Fehlens von grundlegender medizinischer Versorgung und der demokratischen Rechte gegenüberstanden. Wir solidarisieren uns mit den Millionen Flüchtlingen und Immigranten, die in der Festung Europa leben, ständig überausgebeutet, als Verbrecher behandelt und als Entschuldigung für die Einführung reaktionärer Maßnahmen gegen die Völker und die Jugend mißbraucht werden, sowie mit allen Völkern und Jugendlichen des Kontinents, die arbeiten und gegen die imperialistische Herrschaft und Ausbeutung kämpfen.

Wir rufen die Jugend der Welt auf, sich mit der koreanischen Jugend für die Wiedervereinigung ihres Landes unter den Prinzipien der Unabhängigkeit, Frieden, Nationale Einheit und der Gemeinsamen Erklärung Nord-Süd vom 15. Juni zu solidarisieren und die Anwesenheit von US-Truppen im Süden parallel zum 38. Breitengrad sowie ihre ständige Politik zur Destabilisierung der Region anzuklagen. Wir erklären unsere Solidarität mit der Jugend und dem Volk von Nepal in ihrem Kampf für die Demokratie und Menschenrechte. Wir fordern die respekt- und würdevolle Rückkehr aller Flüchtlinge aus Bhutan in ihr Land. Wir unterstreichen unsere Solidarität mit den Studierenden, der Jugend und der demokratischen Bewegung von Myanmar in ihrem Kampf für Demokratie, gegen die Militärjunta und die gegen dieses Volk ergriffenen Unterdrückungsmaßnahmen. Wir erklären unsere Unterstützung für die fortschrittliche Bewegung in Sri Lanka, die für die nationale Einheit und gegen die Versuche des Imperialismus kämpft, das Land zu spalten und die Region zu destabilisieren. Wir grüßen das Volk und die Jugend von Vietnam in ihrem Kampf für nationale Unabhängigkeit und Sozialismus am 60. Jahrestag ihrer Ausrufung als souveräner Republik und erklären unsere Solidarität mit dem Kampf der Opfer des Agent Orange/Dioxin-Einsatzes der Vereinigten Staates für Gerechtigkeit.

Die Hauptursache für die Probleme der Jugend Afrikas sind die imperialistischen Kräfte, die versuchen, sich als Retter und Liebhaber des Kontinentes darzustellen, die aber Afrika in ständige Kriege und innere Konflikte getrieben haben, um sich die reichen Naturressourcen anzueignen. Wir unterstützen die „Neue Partnerschaft für Afrikanische Entwicklung“ (NEPAD) als ein Mittel und Plan, der zur Förderung gemeinsamer Verständigung, Frieden, politischer Stabilität und Entwicklung der afrikanischen Nationen beitragen und die gemeinsamen Probleme ihrer Völker lösen kann. Wir rufen die Jugend der Welt auf, gegen Imperialismus und Neokolonialismus zu kämpfen und dabei besonderes Gewicht auf den Respekt für die souveränen Staaten und ihr Recht, über ihre inneren Angelegenheiten selbst zu entscheiden, zu legen. Wir klagen die imperialistische Intervention in Zimbabwe an, einem souveränen Staat, der in der Lage ist, seine inneren Angelegenheiten selbst zu regeln, und fordern die Aufhebung der gegen Zimbabwe und sein Volk verhängten ungerechtfertigten Sanktionen. Wir unterstreichen unsere Solidarität und Unterstützung für das Volk und die Jugend der Westsahara in ihrem Kampf für das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung des sahaurischen Volkes entsprechend der UN-Resolutionen und fordern die Freilassung der sahaurischen politischen Gefangenen. Mit großer Sorge wurden wir Zeugen der inneren Konflikte, unter denen unsere Brüder und Schwestern in der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda, Burundi, der Elfenbeinküste und Benin leiden. Wir klagen die Diktatur und autokratische Monarchie in Swasiland an und unterstützen das Volk und sein Recht, selbst die Regierungsform zu wählen, unter der es leben will. Wir müssen Anstrengungen für Frieden und Menschenrechte im Sudan verstärken und den laufenden Friedensprozess unterstützen. Wir müssen weiter Initiativen unterstützen, die das Ziel verfolgen, Armut und Hunger in Afrika zu bekämpfen und zu beseitigen. Wir heben die Notwendigkeit hervor, am Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien und Eritrea) wirksame institutionelle und politische Unterstützung für das Erreichen des Friedens in ihren Ländern zu leisten und rufen die Menschen dazu auf, einen aktiven Beitrag zum Wiederaufbau von Angola zu leisten. Energisch fordern wir die vollständige und bedingungslose Annullierung der afrikanischen Schulden.

Winde der Veränderung und der Revolution wehen wieder in Lateinamerika und zeigen, dass es wirkliche Alternativen für das Volk gibt und dass die Treue zu den Prinzipien, die Organisierung des Volkes und das Erkennen des Zeitpunktes für die Offensive dem Imperialismus und seinen Lakaien schwere Schläge versetzen kann. Das wurde gezeigt durch das Scheitern der USA bei dem Versuch, die Freihandelsabkommen für Amerika (FTAA) in Lateinamerika durchzusetzen und das kraftvolle Erscheinen des alternativen Vorschlags für die lateinamerikanische Einheit (ALBA), der auf den Prinzipien politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Integration beruht. Ebenso unterstützen wir Initiativen wie die Südamerikanische Gemeinschaft der Nationen. Cuba bleibt ein Beispiel des Widerstandes und des Hochhaltens von Prinzipien, an dessen würdigem Volk die Blockade und die Akte der Aggression zerschellen und mit dem die neue Generation der Jugend und Studierenden der Welt enge Verbindungen knüpft und die Freilassung der ungerechtfertigt von der US-Regierung gefang gehaltenen fünf Kubaner fordert. Die Völker der Länder, die sich das Gebiet des Amazonas und der Anden teilen, rebellieren gegen Armut und Ungerechtigkeit; indigene Völker kämpfen für ihr Recht auf Selbstbestimmung und für die Respektierung ihrer Kulturen; Kolumbien demonstriert, dass es nicht der Name eines Plans für imperialistische Herrschaft ist, sondern eine wichtige Linie des Kampfes für den Frieden darstellt, zu dem wir Jugendlichen und Studierenden verpflichtet sind; Mittelamerika und die Karibik erleiden die dienernde Haltung korrupter Regierungen, die Durchsetzung neo-kolonialer Politik und bewaffnete Interventionen wie in Puerto Rico und Haiti; im Südkegel (Argentinien, Uruguay, Chile) gibt der Imperialismus den Versuch nicht auf, den Fortschritt der Völker zu stoppen, die ihre eigenen Wege zur Beteiligung der Massen suchen und finden, trotz einiger dem Imperialismus dienenden Regierungen. All diesen Völkern gilt die Solidarität und Unterstützung der Jugend und Völker der Welt.

In diesem Zusammenhang haben wir uns freudig und kämpferisch zu diesem Festival versammelt, um unsere unerschütterliche Solidarität mit der Jugend und dem Volk Venezuelas auszudrücken, besonders mit den venezolanischen Delegierten und Freiwilligen und ihrer Bolivarianischen Revolution, die uns mit offenen Armen willkommen geheißen haben. Wir haben gesehen, wozu ein vereintes Volk fähig ist, wenn es entschlossen ist, alles einzusetzen für sein Ziel, frei zu sein und auf dem Weg des nationalen Fortschritts und des festen Aufbaus der Einheit mit seinen Kampfgeschwistern auf dem Kontinent und in der ganzen Welt voranzuschreiten. Venezuela kann damit rechnen, dass die Jugend und Studierenden der Welt bereit sind, jeder imperialistischen Aggression entgegenzutreten, die diesen Fortschritt aufhalten will.

Die 16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden haben die Blockade und Zensur durchbrochen, die der Imperialismus errichtet hat. Er konnte nicht verhindern, dass wir Erfahrungen austauschten, Verbindungen knüpften, Abkommen erzielten, uns besser kennenlernten, eine deutlichere und globalere Sicht auf unsere Probleme und ihre Ursachen sowie die gemeinsame Verpflichtung erreichten, all unsere Kraft für ihre Beseitigung, für die Verteidigung und Erkämpfung der Rechte der Völker, der Jugend und der Studierenden einzusetzen, wo immer diese auf dem Spiel stehen, und dabei die Organisierung und Mobilisierung der Jugend- und Studierendenbewegung zu stärken und ihr politisches und soziales Bewußtsein durch die gemeinsame Aktion zu erweitern.

Wir haben das Ende eines Prozesses erreicht, der mehrere Monate umfaßt hat. Jetzt befinden wir uns in einer besseren Situation, um unseren Kampf in unseren Organisationen und lokalen, nationalen, regionalen und internationalen Strukturen gegen unsere gemeinsamen Feinde, den Imperialismus, die Ausbeutung und den Krieg, fortzusetzen.

In den kommenden Jahren bis zum nächsten Festival werden wir weiterkämpfen, die Reichweite unserer Aktivitäten vergrößern und dabei zu vielen Gelegenheiten mit noch mehr Kraft und Entschlossenheit wieder zusammenkommen. Mehr als alles andere garantiert dies den Erfolg der 17. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden und die Fortsetzung ihrer ruhmvollen Geschichte in diesem beginnenden Jahrhundert, das das Jahrhundert der Völker und der Jugend, das Jahrhundert des Sieges der Völker über den Imperialismus sein wird.

Für Frieden und Solidarität, wir kämpfen gegen Imperialismus und Krieg!

Delegierte der 16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden

Caracas, Bolivarianische Republik Venezuela, 15. August 2005